Was ist Brad Pitts schlechteste Rolle

Das Brad-Spiel

Was Brad Pitt auch unternimmt, um nicht sexy zu wirken - es geht schief. Stört uns das?

Brad Pitt hat keine Hühnerbrust? Hat er doch! Als der 22-Jährige aus Missouri zwei Wochen vor dem Abschluss sein Studium der Publizistik schmeißt und nach Hollywood geht, verdient er sich sein Geld, indem er im Brathähnchenkostüm Werbung für das Fast-Food-Restaurant El Pollo Loco ("Das verrückte Huhn") macht und Stripperinnen durch die Gegend kutschiert.

Aus dem Federvieh wird schnell ein Levi's-Model. Und von da ist es nur ein kleiner Sprung zu Minirollen wie in "Thelma & Louise" (1991). Mit seiner Oben-ohne-Waschbrettbauch-Performance, die Geena Davis zum Höhepunkt bringt, setzt Brad Pitt schnell Maßstäbe für das, was Frauen wollen - und Männer mit Neid registrieren: "Ich gehöre zu den Leuten, die du aufgrund ihrer Gene hasst", sagt Pitt. Das klingt fast schon tragisch. Und so setzt der durchtrainierte Mime, den die Presse seines blonden Haars und seiner wie gemeißelten Gesichtszüge wegen den "Golden Boy" nennt, schon in den Neunzigern alles daran, gegen sein sexy Image besetzt zu werden.

Zu schön, um engagiert zu sein?

In "Kalifornia" beweist er Mut zur Ungepflegtheit und spielt neben seiner damaligen Freundin Juliette Lewis einen durchgeknallten Serienkiller. Genützt hat es ihm nicht. Das Magazin "People" kürte ihn 1995 zum "Sexiest Man Alive". Er war der Erste und neben George Clooney auch der Einzige, der diesen Titel zweimal bekam. Als Schauspielerin Claire Forlani in "Rendezvous mit Joe Black" an der Seite des Sexsymbols den Tod spielt, spricht sie aus, was Millionen Frauen Ende der 90er-Jahre über Mister Waschbrettbauch dachten: "Mit ihm zu sterben, ist nicht das Schlechteste."

Bilderstrecke: Brad Pitt auf der großen Leinwand

Mit ihm leben wollte Jennifer Aniston, und die beiden Schauspielkollegen gaben sich im Jahr 2000 das Jawort. Der Bund fürs Leben hielt allerdings nur fünf Jahre. Aniston wich Angelina Jolie, in die sich Pitt beim Dreh zu "Mr. und Mrs. Smith" verliebte. Obwohl das beide bis heute abstreiten. Fest steht: Aus den Eheleuten im Film wird ein reales Liebespärchen. "Angelina hat mein Leben komplett verändert", merkt der heute 45-Jährige an.

Komplett ist der richtige Ausdruck. Seit er mit der Lara Croft aus Fleisch und Blut verbandelt ist, wird er über Nacht Vater, Samariter Hollywoods und verliert sogar seinen eigenen Namen. "Brangelina" wird das medienträchtigste Paar der Welt - ein Name, den beide Stars auf den Tod hassen. Soziales Engagement, Adoptionen und Krisenhilfe stehen seitdem auf der Agenda des Gatten. Pitts Stiftung "Make it Right" kümmert sich um den Wiederaufbau von Häusern im dem vom Hurrikan verwüsteten New Orleans, wo nicht wenige den Schauspieler auch gern zum Bürgermeister hätten.

Die Spenden- und Hilfsmentalität des US-Stars ist typisch für seine Schauspielergeneration. Viele nutzen ihre Popularität (und Dollar-Millionen), um sich für humanitäre Projekte einzusetzen. Doch während man bei Matt Damon oder LeonardoDiCaprio den sozialen Einsatz würdigt, spielt der bei Brad Pitt in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie keine Rolle. Egal ob Charity-Engagement, Kunstsinn oder Architektur-Interesse, Pitt kann tun, was er will, er steht nur für eins: sein Aussehen. Und wer schön ist, hat nichts im Kopf.

Im Charakterfach angekommen

Dabei strebt der sechsfache Vater heute auch bei der Wahl seiner Rollen nach Seriosität oder zieht sein Schön-ist-gleich-doof-Image durch den Kakao, wie im Film "Burn after Reading" von den Coen-Brüdern, wo er als hübsch-blöder Fitnesstrainer auftritt. Brad Pitt als Jeans-Gott in einem Levi's Werbespot? Oder als sexuelle Fantasie, inszeniert wie in "Thelma & Louise"? Das war gestern. Denn der Mr. Pitt von heute ist im Charakterfach angekommen.

In "Babel" spielt er mit höchster Intensität einen amerikanischen Touristen in Marokko, der um das Überleben seiner angeschossenen Frau kämpft. "Ich wollte, dass die Zuschauer vergessen, dass sie Brad Pitt sehen", sagte Regisseur Alejandro González Iñárritu. Wohl deshalb ist es einer der wenigen Filme, in denen der Schauspieler seine Kleidung anbehalten darf.

Im melancholischen Drama "Der seltsame Fall des Benjamin Button" verkörpert er die Titelfigur, einen Mann, der als Greis zur Welt kommt, rückwärts altert und ergo als Säugling stirbt. "Es hat mich selbst überrascht zu lernen, was das Wichtigste im Leben ist, und die Antwort lautet: Menschen. Alles andere zählt nicht", sinniert Brad Pitt über seinen Erkenntnisgewinn aus der Rolle und klingt dabei sehr erwachsen.

Angetrunken gegen das Klischee

Da steht er bei der Premierenfeier von "Inglourious Basterds" in Berlin. Die Augen auf Halbmast, das weiße Hemd verschwitzt, angetrunken, und das nächste Bier schon in der Hand. Graue Bartstoppeln blitzen hervor. Wenn das ein weiterer Versuch sein soll, eben keinen Glamour zu verbreiten, ist er damit wieder einmal kläglich gescheitert.

"So wie man auf mein Aussehen fixiert ist, komme ich mir vor wie ein Mädchen, das an einer Gruppe Bauarbeiter vorbeigeht", fasste der Star einmal den Fluch seines perfekten Aussehens zusammen. Ein Fluch, der seinen IQ von 136 verdeckt und seinen humanitären Einsatz auf Angelina Jolie schiebt.

"Andererseits haben die meisten Menschen im Vergleich zu mir ganz andere, nämlich echte Probleme. Da sollte ich besser meinen Mund halten und für mein großartiges Schicksal dankbar sein." Doch Worte sind Schall und Rauch. Was bleibt, ist dieses wie gemeißelt wirkende Gesicht und diese Oberarme - "zwanzig Jahre Fitness", verrät er. Man sieht's...

Text: Janin Minkus für TV Today

Selbst Brad Pitt kam nicht als millionenschwerer Superstar auf die Welt. Kurzer Rückblick auf die Karriere des heute 45-Jährigen: seine Rollen, seine Gagen und seine Qualitäten als Liebhaber.

AB 1987: SERIEN, FILMCHEN UND EIN ORGASMUS

• Dallas
Vier Folgen lang (1987/88) gibt Pitt den Freund der blonden Charlene (Shalane McCall). Erster TV-Kuss inklusive.

• Too Young to Die
1989 terrorisiert der junge Pitt in diesem schlecht gemachten Low-Budget-Streifen Juliette Lewis. Natürlich nur der Rolle wegen.

• Thelma & Louise
1991: Mit Waschbrettbauch und ohne Hemd bescherte J. D. (Brad Pitt) Thelma (Geena Davis) ihren ersten Orgasmus. Der 15-Minuten-Auftritt wurde legendär. Gage: 6000 Dollar.

• Juliette Lewis
"Wenn du noch mal abhaust, bring ich dich um!" Gut, dass Bradley Pitt nur im Film so mit seiner zukünftigen Freundin redete. Beim Dreh zum TV-Film "Too Young to Die" verlieben sich die 16-jährige Lewis und der 26-Jährige. Von 1989 bis 93 sind sie ein Paar, ziehen zusammen.

"Mit Juliette würde ich immer wieder gern zusammensein", wird Brad Pitt zitiert. Umgekehrt ist das wohl nicht ganz der Fall. Neben der Schauspielerei ist Lewis auch Sängerin, trat u. a. mit der Band Juliette and the Licks auf. Bei einem Konzert 2007 bezeichnet sie Brad Pitt öffentlich als "schlechten Liebhaber". Das sitzt. Besonders, weil auch Jennifer Aniston über "mangelnde Bettqualitäten" des Sexsymbols klagte.

• Aus der Mitte entspringt ein Fluss
1992: In dem von Filmlegende Robert Redford inszenierten feinsinnigen Drama kann "Golden Boy" zeigen, was in ihm steckt. Das Fliegenfischen im Film wurde für Pitt zur Herausforderung: "Einmal mussten sie mir den Haken mit einer Zange aus dem Kopf ziehen."

• Fightclub
1999: Bei der 2. Zusammenarbeit mit David Fincher - zuvor "Sieben" - sagt Brad Pitt alias Tyler Durden so schöne Sätze wie: "Ich will, dass du mich schlägst, so hart du nur kannst." Gage: 17,5 Mio. Dollar

• Mr. & Mrs. Smith
2005: Die Actionkomödie fordert keine Höchstleistung von dem jetzt renommierten Mimen. Aber sie krempelt sein Leben komplett um: Er lernt Angelina Jolie kennen und lieben. Gage: 20 Mio. Dollar

• Gwyneth Paltrow
Beim Dreh zum Thriller "Sieben" verlieben sich die beiden. Von 1995 bis 97 dauert die Liaison mit dem schönen Brad. Beide meinen es ernst und verloben sich. Doch im Juni 1997 wird die Verlobung gelöst. "Er hat mein Herz gebrochen", sagte die Mimin. Ihr Ehemann Chris Martin (Sänger von Coldplay) leidet noch heute an dem berühmten Ex seiner Frau: "Es ist kein gutes Gefühl zu wissen, dass Gwyn mal Brad Pitt liebte."

• Jennifer Aniston
Jen und Brad galten als das Hollywood- Traumpaar schlechthin. Fünf Jahre Ehe (2000-2005) gingen plötzlich den Bach runter, als Mr. Pitt alias Mr. Smith Angelina Jolie kennenlernt. Seitdem hat Aniston nur noch Pech mit den Männern. Pikant: Nach wie vor pflegen Pitts Mutter und Jennifer ihr enges Verhältnis.

• Babel
2006: Im meisterhaften Ensembledrama erlebt Brad Pitt als amerikanischer Tourist im Hinterland von Marokko einen Albtraum, der sein Leben verändert.

• Die Ermordung des Jesse James
...durch den Feigling Robert Ford" zeigt 2007 einen umwerfenden Pitt, der beweist, dass er die Tiefe besitzt, ein zweistündiges Drama zu tragen. Jahreseinkommen des Stars: 20 bis 25 Mio. Dollar

• Angelina Jolie
... ist seit 2005 an Brad Pitts Seite, oder er vielmehr an ihrer. Denn Jolie ist noch populärer als ihr Megastar-Freund. Die wilde Vergangenheit der 34-Jährigen - sie wünschte sich z. B., das Blut ihres damaligen Ehemanns Billy Bob Thornton zu trinken - scheint vorbei. Heute setzt sie sich gegen das Blutvergießen ein, reist in den Irak, adoptiert Kinder und spendet für wohltätige Zwecke. Über ihre Beziehung mit Brad Pitt hört man nur eins: Es kriselt.